Wenn du diesen Blog liest bin ich mir fast sicher, dass du den Begriff „Fetischparty“ schon mal gehört hast. Sei es, weil du mir auf Instagram folgst und dort meine Stories gesehen hast, wenn ich mein Outfit für diese Nächte festhalte. Oder weil du über die kinky Twitter-Bubble auf diesen Artikel gestoßen bist. Vielleicht beginnst du aber gerade erst dich für BDSM zu interessieren und sammelst Informationen. Dann bist du hier genau richtig. Denn im Folgenden erfährst du endlich, was auf einer Fetischparty wirklich abgeht! Kein „das muss man selbst mal erleben“ und kein „das ist ganz unterschiedlich“. Sondern die Fakten und die Basics, die dich wirklich interessieren dürften.

Warum sind Fetischpartys so eine Kuriosität?

Für Personen, die keine Berührpunkte mit der BDSM-Community und ihren Veranstaltungen haben ist der Ausdruck Fetischparty meist mit bizarren Assoziationen belegt. Etwas verruchtes, wo Ingo mit der Hundemaske hin geht und es mit 60 Kilo Mett treibt. Oder froschartige Gummi-Personen, die sich auf geölten Rammelwiesen Gegenstände einführen. Nicht selten wird hier von Swinger- über Sexpartys bis hin zu rituellen Zeremonien und Sadomaso-Sessions alles in einen Topf geschmissen. Man sagt seinen nicht-kinky Freunden und Bekannten auf die Frage nach Plänen fürs Wochenende ungern, dass eine Fetischparty ansteht. Denn auf derartige Spekulationen kann man gern verzichten.

Der Grund dafür, dass Bernd und Birte aus der Buchhaltung solche Bilder im Kopf haben, ist ganz einfach: Abseits der Szene gibt es eben kaum Informationen darüber was eine Fetischparty wirklich ist und was dort abgeht. Die Medien berichten wenig aus der Fetischwelt und wenn ist es mehr als unauthentisch. Es gibt keine großen Plakate, Werbung auf Sozial Media oder Ankündigungen in den Veranstaltungskalendern der Stadt. Die Szene ist im Gegensatz zur Festival-Kultur ziemlich klein. Um zu wissen wann und wo welche Art von Fetischparty stattfindet muss man zumindest schon mal den Stiefel in der Fetisch-Tür haben. Man erfährt Termine am ehesten über die Social Media Accounts der Veranstalter, BDSM-Foren, über Freund:innen, Stammtische, Messen. Oder sobald man einmal da war über Newsletter.

Wir unterscheiden

Bevor ich euch nun aber im Detail berichte, was euch auf einer klassischen Fetischparty erwartet, machen wir uns erstmal einen kleinen (unvollständigen) Überblick über einige Veranstaltungen zum Thema Sex und Fetisch.

Swingerclub/Sexparty: In einen Swingerclub gehen Personen um dort Ihre Sexualität frei auszuleben. Im Vordergrund steht hier der Geschlechtsverkehr, oft mit verschiedenen, fremden Personen. Es gibt dabei Sexparties für Paare, Singles, welche mit Gästeliste oder Altersbeschränkung. Wer also keine Lust auf Willy Wichs und seine Gang aus dem Kegelclub hat, filtert einfach nach entsprechenden Youngster-Veranstaltungen mit Dresscode und ausgeglichenem Geschlechterverhältnis.

Playparty: Eine Playparty ist eine Form von Fetischparty, bei der es ausdrücklich ums Spielen in BDSM-Kontext geht. Hierzu werden meist vom/n Gastgeber:in Geräte und Möbel, sowie Fixierungsmöglichkeiten, manchmal sogar Spielzeuge und Schlaginstrumente bereitgestellt. Es geht darum neue praktische Erfahrungen zu sammeln, aber auch um den Austausch mit Gleichgesinnten. Geschlechtsverkehrt kann und darf, muss aber nicht Teil davon sein. Da intensive Spiele ohnehin einem vertrauten Team bedürften, geht es hier auch nicht wild durcheinander. Eher schaut man sich mal was ab oder bindet jemanden mit ein. (Wörtlich oder im übertragenen Sinne.)

Sexpositive/Kinky Party: Eine in meinen Augen relativ neue fantastische Erscheinung. Hier geht’s in erster Linie ums Party machen. Die Musik ist eher techno-lastig, das Publikum jung und divers. Kinky Partys werden von und für die LGBTQ+ Szene veranstaltet, zu der sich eben auch BDSMler:innen oder Fetischist:innen zählen dürfen. Der Ausdruck „sexpositiv“ bedeutet eine große sexuelle Freiheit und auch das Dulden von Geschlechtsverkehr. Jedoch gibt es hierfür meist abgetrennte Bereiche, die meisten tummeln sich von dem DJ auf dem Dancefloor. Der Dresscode ist weit gefasst, freizügig und gerne bunt. Es geht hier weniger um Fetisch, Latex und BDSM, sondern mehr um das Ausleben der eigenen Sexualität und Ekstase. Meine Favoriten: Kinky Galore by Jan Ehret oder die Polymorph.

Die Fetischparty

Die klassische Fetischparty ist eine Veranstaltung für Fetischisten. Es geht also darum einen Abend ganz im Zeichen eines Fetischs zu verbringen. Entweder ist ein:e jede:r Fetischist:in willkommen, oder aber der Dresscode zeigt an, worum es gehen sollen (z.B. Latex). Mann/Frau muss aber nicht zwingend tatsächlich einen sexuellen Fetisch haben um mitzumischen. Es reicht auch, wenn du findest, dass dein Latexleid zu schade nur fürs Schlafzimmer ist oder du die ganze Fetisch-Szene einfach magst. Es geht darum dem Alltag zu entfliehen. Oft werden in den Clubs auch Play-Areas eingerichtet, die jedoch meist abgetrennt vom Party-Geschehen zu finden sind. So können die Gäste selbst entscheiden, wie viel Spiel der Spaß haben soll. Ob auch Geschlechtsverkehr geduldet wird, ist von Veranstaltung zu Veranstaltung unterschiedlich.

Willkommen sind auf jeden Fall alle Arten von Fetisch-Outfits: Masken, Latex, Kostüme, Uniformen und vieles mehr. Zwischen Bar, Tanzfläche, Sitzmöglichkeiten und ggf. Outdoor-Bereich dürft ihr nach Lust und Laune BDSM zelebrieren. Da werden Füße massiert, es wird gekniet, Blicke getauscht, Befehle erwartet, Leinen angelegt und auch mal ein Pony herumgeführt. Hin und wieder sieht man einen menschlichen Aschenbecher. Oder ein:e Sub, dessen Zunge sich mit Hingabe um die Reinigung von Stiefeln kümmert.

Im Grunde geht es aber auch viel um Sehen und Gesehen werden, Unterhaltungen und Feiern. Ich persönlich kann Stunden damit verbringen die tollen Outfits zu bewundern, mit meinen Freunden zu tanzen und mich über die vielen bekannten Gesichter zu freuen. Meine liebste Fetischparty ist definitiv die Subrosadictum. Auch den German Fetisch Ball muss man mal erlebt haben.

Sind da nicht lauter Perverse?

Nein. Und doch. Zumindest nicht „Perverse“ im negativen Sinne. Aus langjähriger Erfahrung kann ich euch versichern, dass ihr im 0815-Nachtclub eher auf unangenehme Personen stoßen werdet, als auf einer Fetischparty. Dort hat mir zumindest noch nie jemand mit Belvedere-Atmen „Ey! GEILE TATTOOS!“ in den Ausschnitt gegrölt und dabei seine Hand auf meine Taille gelegt, damit ich ihn besser verstehe. Der Umgang miteinander ist unfassbar achtsam und respektvoll. Du brauchst dir absolut keine Sorgen machen angefasst, angetanzt oder verbal überrumpelt zu werden. Selbst in den Play-Areas geht es eher gediegen zu. Es wird nicht gestarrt und es wird auch sicherlich nicht auf einmal jemand seinen Schniedel neben dir auspacken. Weder werden Subs im Pulk verprügelt, noch Fremde ungewollt in ein Spiel einbezogen.

Ist eine Fetischparty was für mich?

Wenn du keine Lust auf viel nackte Haut und freizügiges Verhalten hast, dann ist eine Fetischparty vielleicht wirklich nicht das Richtige für dich. Genauso wenig, wenn du einfach nur leicht bekleidete Personen beobachten möchtest oder lediglich eine Sensationslust, aber keinen Bezug zur BDSM-Szene verspürst. Du solltest außerdem offen dafür sein dich optisch dem Geschehen anzupassen.

Natürlich musst du kein eingefleischter Fetischist oder super BDSM-kundig sein, um eine Fetischparty zu genießen. Wichtig ist dein Interesse am Thema, Toleranz und Respekt. Außerdem habe ich schon festgestellt, dass die Musikauswahl der Veranstalter oft nicht jedermanns/fraus Geschmack ist. Ich persönlich kann ja gegen Deephouse und Elektro-Beats antrinken und mich kurzfristig in eine epileptische, weibliche Person von HP-Baxter verwandeln. Andere wollen bei den monotonem Bass eher flüchten! Größere Events wie z.B. der German Fetisch Ball bieten verschiedene Floors, musikalisch zwischen Metal, 80s, DarkWave und Techno. Für Palmen aus Plastik und Rihanna muss ich allerdings auf konventionelle Partynächte zurückgreifen.

Vielleicht wurdest du ja auch gefragt, ob du zu einer Party mitkommen möchtest. Das ist an sich ein toller Einstieg, denn in Begleitung ist die erste Veranstaltung meist viel angenehmer. Allerdings finde ich, dass niemand „überzeugt“ werden sollte auf eine Fetischparty zu gehen. Wenn jemand keine Lust, Angst oder Scham hat, dann ist das okay. Bitte überredet niemanden, der nicht selbst zumindest schon darüber nachgedacht eine Veranstaltung zu besuchen. Natürlich darf man erzählen, Aufklären, Bedenken aus dem Weg Räumen und bei den Überlegungen helfen. Aber Fetischpartys sind einfach nicht jedermanns/fraus Sache. Und das ist okay! Oder würdest du auf die lange Nacht der Volksmusik gehen, nur weil die Silbereisen-Ultras dir davon vorschwärmen?

Was du beachten solltest

Um deinen Besuch auf einer Fetischparty perfekt und den Abend unvergesslich zu machen, gibt es ein paar Tipps, die du beachten kannst.

Informier dich über das Event. Wo findet es statt, welche Anmerkungen hat der Veranstalter. Es kann sogar sein, dass du dich erst einmal anmelden musst und dir dann per Mail/Whatsapp/Telegram Fragen gestellt werden oder du deine Identität bestätigen musst. Das ist kein Zeichen für eine unseriöse Party, sondern eine Sicherheitsvorkehrung.

Kauf dein Ticket frühzeitig! Für beliebte Partys sind die Karten meist schon Wochen vorher ausverkauft. Mein Ticket für den GFB (German Fetisch Ball), der immer Ende Mai stattfindet, kaufe ich immer schon um Weihnachten. Sei nicht erstaunt, wenn die Tickets dir recht teuer erscheinen. 40-80 Euro sind absolut normal, Preise können auch je nach Geschlecht oder Anzahl der angemeldeten Personen (Paar/Single) variieren. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass happige Preise schaulustige Voyeure abschrecken.

Ließ den Dresscode und kümmere dich frühzeitig um dein Outfit. Alles was du dafür wissen musst, findest du in meinem Artikel „Wie finde ich das richtige Fetischparty-Outfit“.

Suche dir Gleichgesinnte und Begleitungen. Wenn du nicht eh schon Freund:innen oder eine Partnerperson hast, die dich begleitet, kannst du vielleicht über Twitter/Instagram/Deviance oder andere Foren Personen finden, die du vielleicht schon online kennst. Natürlich kannst du auch ganz allen auf eine Party gehen – wenn du offen und kommunikationsfreudig bist, machst du dort neue Bekanntschaften.

Kitteh’s Supertipp: VERGISS NICHT DEIN TICKET. (*unschuldiges Pfeifen*). Wenn es sich um ein Online-Ticket handelt mache einen Screenshot. Achte auf einen vollen Handy Akku. Schicke es zur Sicherheit einer Freundin. Am bestens schon am Morgen, damit du es nicht vergiss während du mit 2 Promille Champagner in der Rübe versuchst deine Netzstrümpfe anzulegen.

Wunder dich nicht, wenn du dein Handy an der Garderobe abgeben oder die Kamera abkleben musst. Auch das ist einfach eine Sicherheitsvorkehrung um die Privatfähre aller Gäste zu schützen. So kannst du auch beruhigter deinen Abend in deinem Outfit genießen, egal wie viel Stoff du trägst.

Akzeptiere ein Nein und scheue dich nicht davor auch eines auszusprechen. Wie schon erwähnt ist übergriffiges Verhalten die absolute Seltenheit auf einer Fetischparty und mir bis heute noch nicht begegnet. Wenn dir aber ein Flirt oder ein Gespräch unangenehm wird, dann sollst du das deutlich sagen. Im Ernstfall wende dich an Security oder jemanden an der Bar. Achte auch auf die Körpersprache anderer, vor allem im Play-Bereich.

Viel Spaß auf deiner Schmuddelparty!

Zum Schluss: Genieß es! Lass dich nicht davon stören, wenn deine Freunde fragen, wie es auf deiner „Schmuddel-Party“ so war. Du allein weißt was du auf der Fetischparty gemacht hast und jemand der nicht dort war kann sich kein Urteil darüber erlauben. Und wenn du feststellst, das ist nichts für dich? So what? Du kannst die Party jederzeit verlassen und musst nie wieder kommen. Vielleicht wird dich etwas überraschen, vielleicht wirst du erstmal eine Nacht darüber schlafen müssen und ganz sicher bist du super aufgeregt vor deiner ersten Fetischparty.

Du darfst Bedenken haben. Du darfst Bilder in deinem Kopf haben, die sich entweder bewahrheiten oder geradegerückt werden. Es ist okay, dass du dich ein bisschen dirty und too sexy fühlst, wenn du an den Abend und dein Outfit denkst. Genieß die Erfahrung und denk an diesen Artikel, wenn du feststellst: So schmuddelig ist ja das alles gar nicht – oder doch?

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